Alemannen, Germanen oder Stumme?

Verfasst 20. Dezember 2006 von schwupi
Kategorien: Redensart

Gestern Nacht in meinem Bettchen beschäftigte mich die Frage, warum Deutschland im Ausland so viele Namen hat. Über was man alles nachdenkt, wenn man nicht einschlafen kann…

Mir sind dabei drei verschiedene Varianten eingefallen:

  • Allemange (frz.)
  • Germany (engl.)
  • Nemetzki (slaw.)

Gehen wir die doch mal der Reihe nach durch. Die Bezeichnung Allemange kommt vom frühmittelalterlichen Stamm der Alemannen, die das südliche Gebiet von Baden-Würtemmberg, Teile von Bayern und Österreich besiedelten. Heutzutage würde man sie wohl Schwaben nennen.

Germany kommt vom lateinischen Germania. Julius Cäsar wollte damals die germanischen Völker von den keltischen unterscheiden, und so betitelte er die Volksstämme als Germanen.

Nemetzki, Niemcy oder Njemačka hat dagegen einen sehr interessanten Hintergrund. Man nimmt an, dass dies ursprünglich aus dem slawischen kommt und „stumm“ bedeutet. Im Altpolnischen bedeutet „ne mec“ nicht verstehen. So hat man alle Fremden bezeichnet, die der slawischen Sprache nicht mächtig waren. Auf tschechisch und slowakisch bedeutet „nemecko“ umgangssprachlich taub.

Auf finnisch bedeutet Deutschland Saksa und im Estnischen bezeichnet man es als Saksamaa. Hier waren wohl die Sachsen die Namenspaten.

Interessant finde ich auch die Tatsache, dass in Polen ein Deutscher als Szwabusz (Schwabusch) bezeichnet wird, wenn man ihn ein wenig abschätzig benennen möchte. Da kommt kein Alemanne drin vor 😉

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Morse oder Vail?

Verfasst 20. Dezember 2006 von schwupi
Kategorien: Erfindungen

Jeder kennt die Morsezeichen, die man sogar ertönen hört, wenn man eine SMS auf sein Nokia-Handy bekommt:

. . . – – . . . (S M S)

Aber wer erfand denn dieses Alfabet? Herr Samuel F. B. Morse möchte man meinen, denn immerhin ist es sogar nach ihm benannt. Aber ganz so stimmt das nicht. Herr Morse stellte zwar 1835 einen Telegrafen in New York vor, doch gebaut hatte diesen sein Angestellter Alfred Vail. Dieser Telegraf war auch überhaupt nicht funktionsfähig, da ihm das Übertragungssystem fehlte.

1837 unternahm er einen neuen Versuch, und dieser Telegraf funktionierte. Diesen kann man heute noch im Deutschen Museum in München bestaunen. Darauf beantragte er ein Patent, welches er auch zugesprochen bekam. Sein Angestellter Vail ist auf dem Patentantrag nicht zu finden, sodass Morse als Erfinder gilt.

Er entwickelte auch eine Art Alfabet, dieses bestand jedoch aus Zahlen von eins bis null. Diese Zahlenkolonnen wurden nach der Übermittlung mühsam entschlüsselt. Sein Mitarbeiter Vail entwickelte daraufhin das noch heute gebräuchliche Morse-Alfabet.

„Die Zeit ist abgelaufen“

Verfasst 6. Dezember 2006 von schwupi
Kategorien: Redensart, Sprichwort

Dies ist doch ein toller Satz. Nur habe ich mich mal gefragt, wo dieses Sprichwort denn eigentlich herkommt. Eine Möglichkeit wäre ja Salvador Dali mit seinem Kunstwerk der zerinnenden Zeit. Aber diese Redewendung ist tatsächlich noch viel älter. Sie geht zurück auf die Zeit der Pharaonen in die Jahre um 1500 v. Chr.

Bei einem damals stattfindenden Gerichtsverfahren war es üblich, den Rednern der beiden Parteien eine bestimmte Redezeit zu gewähren. Dazu nutze man damals eine Wasseruhr, eine sogenannte Klepshydra. Übersetzt heißt das „Wasserdieb“. Diese Uhr bestand aus zwei Gefäßen, die untereinander standen. Das obere Gefäß war mit Wasser gefüllt und hatte an er unteren Außenseite ein kleines Loch. Durch dieses floss das Wasser in das untere Gefäß, welches hohl war. Wenn im oberen Gefäß kein Wasser mehr war, war die Zeit des Redners eben „abgelaufen“.

Übrigens hatten die Griechen anfangs noch ein Problem mit der Messung der Zeit mittels Wasser. Da sich bei einer Sonnenuhr die Sonne kontinuierlich bewegt, war die Zeit linear messbar. Allerdings verhält sich das bei Wasser eben nicht so, da mit dem geringeren Wasserdruck am Ende des Gefäßes der Strahl des Wassers immer dünner wurde. Dadurch konnte der Redner nicht richtig abschätzen, wie er denn seine Zeit einteilen sollte.

Abgeholfen hatte man sich zuerst mit einem Schwimmer in einem der Gefäße, der an einer (nicht liniearen) Skala anzeigte, wieviel Zeit der Redner noch hat. Allerdings kam man später auf die Idee, dass man die Zeit linear ablesen kann, wenn im oberen Gefäß immer der gleiche Wasserdruck herrscht. Man sorgte also für einen stetigen Wasserfluss und maß die Zeit am Schwimmer des Gefäßes, in das das Wasser floss.

Übrigens gab es die Sanduhr erst ca. 3000 Jahre später…